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Harry Schröder
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Vorwort                              

Dieses Buch soll helfen, eher zu akzeptieren, das man krank ist und schneller die Hilfe einer Therapie in Anspruch nimmt. Besser noch, dieses Buch hilft, bevor man krank geworden ist, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen und dadurch den Rest seines Lebens Alkohol genießen zu können.

Immer wieder werde ich gefragt:

Wie und wann hast Du gemerkt dass Du Alkoholiker bist. Und warum hast Du Dich zu einer Therapie entschlossen?

Wenn ich das dann beantworte, dann denkt sich jeder: Soweit bin ich ja noch lange nicht. Aber meine Erkenntnis und der Entschluss, kamen ja erst nach der ersten Entgiftung und meinem Rückfall. Und beides kam Jahre zu spät.

Alkoholiker war ich doch schon Jahre zu vor. Da waren aber die Entzugserscheinungen nicht so stark, genauer gesagt, ich habe sie nicht als wirkliche Entzugserscheinungen wahrgenommen. Ähnlich wie sich jeder, auch ich früher, den typischen Alkoholiker als Penner auf der Straße vorstellt.

Der unter einer Brücke wohnt. Dass das nur das Endstadium ist, wusste ich damals noch nicht.

Das ich irgendwann die Entzugserscheinungen, auch vor mir selber, nicht mehr verleugnen konnte, hat mir geholfen. Aber da war es nicht mehr fünf vor zwölf. Da war es eher schon halb eins. Mein Körper hat nicht mehr funktioniert; ich habe nicht mehr funktioniert. Für die Gesellschaft, Partner, Freunde, Firma und für mich selber ging es ja, das war über Jahre eingespielt und trainiert.

Das blöde war ja: Für mich war es normal, nach Hause zu kommen und mir als Erstes einen Drink zu machen. Noch bevor ich Schuhe oder Jacke aus hatte. Das tat doch gut, ich fühlte mich sofort klasse. Am Schönsten für mich war (und das vermisse ich heute am meisten) im Sommer, sonntagmorgens wach werden, keine Verpflichtungen haben, den ganzen Tag zuhause sein. Ab auf die Terrasse, in die Sonne! Und als allererstes einen Longdrink. Dieses wunderschöne, warme Gefühl im Bauch spüren, gemütlich, ohne Stress, den Tag beginnen, Kaffee trinken, warten bis der Rest der Familie aufsteht.

Ab und zu ein Bier, ein Glas Wein, einen Cocktail - jeder hat doch damit seine schönen Erlebnisse. Aber wenn es nach zwölf ist, wirst du das nie weder erleben!

Also, prüfe Dich selbst: Kannst Du wochenlang hintereinander ohne Alkohol auskommen? Teste Dich, damit Du den Rest Deines Lebens Alkohol genießen kannst. Teste Dich immer wieder.

Natürlich passt das meistens gar nicht in das normalen Leben. Donnerstag der Sektempfang in der Firma, Samstag die Party bei Freunden. Toll. Und ich soll dabei sein und als Einzigster keinen Alkohol trinken? Außerdem ist doch übernächste Woche der Geburtstag von dem und dem.

Das Testen, die Pausen, das sieht ja niemand ein, ich früher auch nicht. Warum soll man auf etwas verzichten, was schön und normal ist und vor allem: was alle machen? Sind doch nur zwei oder drei Bierchen. Und der Schnaps nach dem Essen, ist doch nur für die Verdauung. Und wenn mein bester Freund einen Longdrink ausgibt, da kann ich doch gar nicht nein sagen.

Ich bin doch nicht abhängig! Ich habe doch kein Alkoholproblem! Leider nur, weil man die Probleme nicht erkennen will. Und was ist die Alternative zu den freiwilligen Pausen?

Wenn man erst in die Sucht geraten ist, Pause für den kompletten Rest des Lebens?

Das wünsche ich niemanden, Pause MACHEN ZU MÜSSEN. Immer Pause. Lebenslange Pause.

Okay, werden die Meisten sagen: Ich mach ja eine Pause. Übernächste Woche, nächste Woche geht nicht. Weil da ist ja..... „Ooops“, nächste Woche geht nicht? Wegen den gesellschaftlichen Verpflichtungen? Oder ist die Vorstellung zu einer Party zu gehen und keinen Alkohol zu trinken so unangenehm? Wird es den dann übernächste Woche funktionieren? Ist der Alkohol tatsächlich schon nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken?

Aber beim Fernsehen, ein Bierchen, ist doch nun wirklich nicht schlimm! Jeder den ich kenne trinkt doch ab und zu!

Fangen damit die Ausreden schon an?

Schlimm ist es inzwischen für mich, mitzuerleben, wie Menschen in meiner Umgebung, in die Abhängigkeit geraten, oder schon Abhängig sind, in den verschiedensten Stufen.

Sie wollen es nicht wahrhaben und auch gar nicht wissen. Und ich muss das hilflos beobachten. Gerade die, die es betreffen könnten, wenden sich von ihrem Problem ab.

Dieses Buch ist als Tagebuch entstanden, das ich zeitgleich im Internet während meiner Therapie, veröffentlichte. Durch den Zuspruch, den ich von Mitpatienten und Lesern außerhalb der Klinik bekam, erkannte ich die Chance, dieses als Buch zu veröffentlichen, damit es viele erreichen kann

Damit ich Menschen unterhalten und informieren kann.

Dann habe ich mein Ziel erreicht und vielleicht geholfen.

Wenn ich es geschafft habe, nur einen Mitmenschen zu sensibilisieren, dann hat es sich gelohnt.

Wenn ich Dich kenne, könnte es vorkommen das Du in meinem Buch vorkommst, dafür entschuldige ich mich vorsorglich. 

                                    

 

 

 

"Abenteuer Therapie" © 2008 Harry Schröder  |  info@abenteuertherapie.de